Gemeinschaft ist: immer eine gute Sache

Wenn man bei der Sache bleibt …

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes selbsterdachtes Gemeinschaftsprojekt. Es hieß „Monkey‘s Revenge“ und war eine Schulband. Torsten am Schlagzeug, Nils am Keybord, Reiner am Bass und ich der Sänger und Gitarrist. Obwohl der qualitative Anspruch lediglich darin bestand, die Verstärker bis zum Anschlag aufzudrehen und inhaltlich kategorisch gegen alles zu sein, das älter war als wir, stellte sich schnell raus, das es damit nicht getan war. Es braucht mehr als eine gedachte gemeinsame Linie, um die Menschen bei der Stange zu halten.

Ein gemeinsames Ziel zum Beispiel. Bei uns war es ein anstehendes Schulfest, für das wir uns einen „Slot“ auf der Bühne erbettelt hatten – mit großen Ankündigungen bezüglich unseres musikalischen Könnens, das wir uns dann durch fleißiges Proben erst mal halbwegs aneignen mussten.

Der anstehende erste Auftritt und die damit verbundene Aufregung waren die treibende Kraft. Wir schafften es in nur kurzer Zeit, ganze fünf Songs zu schreiben, und die waren gar nicht mal so schlecht. Der Auftritt war – aus unserer Sicht – ein totaler Erfolg. Wir waren auf einen Schlag bekannt an der Schule, galten als cool und es fragten sogar ein paar Mädchen nach einem Tape mit unseren Songs.

Berauscht von diesem Erfolg, fing dann allerdings jeder in der Band an, sich selbst außerordentlich wichtig zu nehmen. Plötzlich ging es nicht mehr um die Musik, sondern nur noch darum, die eigenen Ideen durchzusetzen. Lange Rede, kurzer Sinn: Über die Gestaltung des Covers der geplanten Demo-Kassette zerbrach unser kleines Gemeinschaftsprojekt in alle Einzelteile, noch bevor wir richtig durchstarten konnten.

Damals war das alles ein Riesendrama. Heute ist es eine amüsante Anekdote. Und vielleicht auch ein persönliches Lehrstück darüber, wie Gemeinschaft funktioniert bzw. wie nicht. Daran erinnert werde ich jedenfalls fast täglich, wenn ich die Diskussionen über das aktuelle Tagesgeschehen im Internet verfolge. Auch hier geht es oft nicht mehr um die Sache an sich, sondern hauptsächlich nur noch darum, die eigene Meinung durchzusetzen und Recht zu haben. Und ich frage mich: Würden wir bei den Themen, die uns bewegen, nicht viel mehr erreichen, wenn wir uns wieder ein bisschen mehr als Gemeinschaft begreifen?

„Begreifen“ ist hier vielleicht das Schlüsselwort. Man muss es erleben. Und dazu kann es sicherlich nicht schaden, mal in einer Band gewesen zu sein – wenn auch nur für drei glorreiche Wochen.

Weitere Beiträge